Geliebte Schönheit

Es ist sehr spannend zu verfolgen, wie sich das Schönheitsideal im Laufe der Jahrhunderte oder Jahrzehnte veränderte. Und wie vieles wieder in Mode kommt. Lange Haare bei Männern, Bärte, blondierte Haare. So liebten die alten Ägypter 3000 Jahre vor Christus bereits den schmalen, fast mageren und komplett enthaarten Körper. Die Assyrer, 1000 Jahre vor Christus, liebten geflochtene Bärte und für den Fall, dass der Bartwuchs nur spärlich war, schnallte man sich einfach einen künstlichen um. Die Hipster von heute hätten reichlich Inspiration!

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Die Römer liebten blondes Haar und scheuten selbst nicht vor unappetitlichen Methoden wie einer Mixtur aus Urin und ätzenden Flüssigkeiten zurück, um ihrem Ideal zu entsprechen. Im Mittelalter galt bei der Frau der auffällig nach vorne gerundete Bauch als Zentrum der erotischen Aufmerksamkeit. (!!) Und auch hier liebte man hellblonde Locken an hoher Stirn, und war die Stirn nicht hoch, zupfte man sich einfach die Haare weg. Dieses Schönheitsideal galt auch noch in der Renaissance. In dieser Epoche begannen auch die Männer sich zu schminken. Im Barock wurde es dann sehr ausladend. Füllige Leiber lagen bei Männlein und Weiblein im Trend und die aufwendigen Perücken galten als Statussymbol, so wie heute vielleicht das neue iPhone.

Schmale Ärmchen, dünne Taillen – im Biedermeier steckt die zierliche Dame ihren kleinen Körper in derart ausladende Garderoben, dass sofort klar ist: Arbeiten kann sie darin nicht.
Frauen werden zum „schönen Geschlecht“, Männer müssen Schminke und schicke Kleider zur Seite legen und laufen fortan im Anzug umher.

In den 1910 wagt die modische Avantgarde die Befreiung des weiblichen Körpers, allen voran der Modeschöpfer Paul Poiret. Nach dem 1. Weltkrieg sind die Frauen um eine Erkenntnis reicher: Ohne den Mann geht es auch. Emanzipierte Frauen lassen sich einen kurzen Bubikopf-Schnitt verpassen, die Brüste werden mit einem Gürtel flachgedrückt und lange Zigaretten geraucht – das Erscheinungsbild der Frau wird zum ersten Mal androgyner.

In den 50igern beginnen Medienikonen das allgemeine Schönheitsideal zu bestimmen. Noch einmal sind, nach den Entbehrungen des Krieges, wohlgenährte Frauen mit üppigen Proportionen gefragt.

Und heute? Mit Twiggy begann in den Sechzigern der Schlankheitswahn, der heute oft jede gesunde Grenze überschreitet. Das Schönheitsideal nähert sich den Proportionen eines 14-jährigen Mädchens, Size Zero ist das Maß der Dinge, Magermodels bevölkern die Laufstege. Wenn der Körper an seine Grenzen stößt, wird mit Photoshop nachgeholfen. Das Schönheitsideal der Massen rutscht vom schwer Erreichbaren zum Unmöglichen aber, da müssen wir ja nicht mitmachen. Zum Glück gibt es genügend Beispiele für schöne Frauen jenseits Size Zero und jenseits der Jugend. Mich, zum Beispiel…(lächel)!

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Ein Kommentar zu „Geliebte Schönheit

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  1. Wie Recht Du hast, schöne Frau ! Ich kann Deinen Gedankengängen nur zustimmen. Ich lese immer wieder gern Deine Beiträge. Die Themen sind interessant, kurz gefasst, gut recherchiert, gut bebildert, einfach auf den Punkt gebracht und vor allem ohne diesen blöden Zeigefinger. Du sprichst von Dir und Deiner Meinung. Danke und mache so weiter ! Grüße von Mara

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