2 Australierinnen in Berlin.

Dieses Mal hatte ich gleich zwei Interviewpartnerinnen, Wanting Zhao und Anto Christ, zwei junge, sehr aussergewöhnliche Frauen. Wanting ist Chinesin, lebt jedoch in Australien und Anto ist Australierin, lebt aber in Berlin.

S: Ihr seid beide Künstlerinnen auf verschiedene Art. Auf welche Weise bist Du Künstlerin, Wanting?

S: You are both artists in different ways. Wanting, in which way you are artist?

W: Ich? Ich bin eine Geschäftskünstlerin.

W: Me? I am a business artist.

S: Nicht doch, Du bist so kreativ!

S: Come on, you are so creative!

A: Sie ist unglaublich kreativ! Sie malt auch!

A: She is incredibly creative. She does as well paintings!

W: Ja, aber ich weiß nicht was ein Künstler ist. Ich liebe Kleidung, ich liebe Design, aber ich weiß nicht ob das genug ist, mich eine Künstlerin zu nennen.

W: Yes, but I don’t know what is an artist. I love clothes, I love design, but I don’t know if that is enoug to call myself an artist.

 

 

A: Aber Du machst Stylings….Du machst eine Menge.

A: You do stylings…you do a lot of things.

W: Ich mache sehr viel, aber trotzdem sehe ich mich als Geschäftsfrau.

W: I do a lot of things, yes, but I call myself a business person.

S: Wirklich? Aber Du hast keinesfalls den Spirit einer Geschäftsftrau!

S: Really? But you don’t have the spirit of a business person, no!

A: Sie ist eine Anstifterin. Sie bringt Menschen zusammen, sie fängt Dinge an.

A: She is an instigator. She brings people together, she starts things.

W: Ich bin sehr verwirrt über meine Person. Normalerweise sagen mir andere, wer ich bin.

W: I am very confused about myself. Usually the people tell me who I am.

S: Ist das so?

S: Is it like this?

W: Ich war so verwirrt, dass ich meine Geschäft nicht mehr mochte, ich wußte ja bereits was ich zu tun hatte. Ich war ärgerlich und deprimiert. Und dann kam eine meiner Kundinnen, ein Business Coach, in meinen Laden. Sie ist reizend und sie sagte, ich solle zu ihr kommen, weil ich scheinbar nicht gut aussah. Sie wolle mir ein wenig Unterstützung geben. Also ging ich zu ihr und erzählte wie unglücklich ich war. Sie sagte: Das ist egal. Ich denke Du bist eine Künstlerin! Du bist kein Geschäftsfrau! Mach, was Du wirklich machen willst!

W: I was that confused, that I didn’t like my business anymore, because I already knew what to do. I was really upset and depressed. And one of my customers came in, who is a business coach. She is very lovely and she told me to come to her home, because I didn’t look well. She wanted to give me some business support. So I went to her home and told her, that I was not happy and so on and then she said: You know, I don’t care, I think you are an artist! You are not a business person! Do what you really want!

S: Man kann ja auch auch beides sein, das eine schließt das andere nicht aus.

S: Things can go together as well, one does not exclude the other.

W: Ich dachte aber, ich könne keine Kunst machen, das war mein Fehler.

W: But I thought I could’nt do art, that was my fault.

A: Wenn ich Deinen Laden betrachte, erscheint er mir wie eine Skulptur. Dein Geschäft ist eine Art Installation.

A: Seeing your shop, it is a sculpture. You shop in a kind of installation.

W: Ich sah es aber nie so. Ich weiß was ich tue, weiß aber nicht, welchem Zweck es letztendlich dient.

W: But I never saw ist like that. I know what I am doing, but I don’t know for what purpose.

 

 

S: Ich finde, Du bist Kunst. Wenn ein Mensch Kunst ist, und ich schließe mich da ein und Dich, Anto, auch, dann ist alles, was dieser Mensch tut Kunst. Man hat einen anderen Blick auf die Dinge und Du machst vieles auf eine ganz andere Art, als es normale Menschen täten.

S: I think you are art. If a person is art, and I consider myself as well as art, and you, Anto, as well. And if a person is art, then everything she does is art. You have a different look onto things, and you do things in a different way than a normal person would do.

W: Ich wuchs in China auf. Da gibt es so etwas nicht. Ich war in keiner Gallerie, in keinem Museum. Niemals! Ich ging zur Schule und viele versuchten sich in Kunst, weil es als einzige Möglichkeit schien, eine Hochschule besuchen zu können. Kunst als solche hat keinen Wert. Wir hatten nie Kunst in der Schule. Mathematik und Physik hatten mehr Gewicht als Kunst. Ich war also nie mit Kunst in Berührung gekommen und wußte nicht, dass ein solches Lebenskonzept möglich ist. Deswegen bin ich vielleicht unsicher mit Titeln, jeder Art von Titeln. Ich kann nicht sagen, ob sie gut oder schlecht sind.

W: I grew up in China. There is no such. I have never been to a gallery or a museum. Never ever! I went to school and many were trying art, because it is the only way to go to university. So art has never been valued. We never had a art class in school. Math and physics seem to be more important than art. So I was not in touch with art and I never thought there was such a concept. I knew the word, but I did’nt know what ist was. Maybe that’s why I am always confused with this tilte, any kind of title, I don’t know wether it’s good or bad.

S: Kunst ist in jedem Fall sehr frei, man kann tun was man mag.

S: Art of course is very free, you can do what you want.

W: Es hat viel mit meinem Aufwachsen, meinem Hintergrund zu tun. Jetzt mache ich alles weil ich weiß, dass dies der einzige Weg ist mich glücklich zu fühlen.

W. It is much about my growing up and my background. Now I do everything because I feel, that this is the only way to feel happy.

S: Wir kommen zu Dir, Anto. Du wurdest in Malta geboren. Und wo bist Du aufgewachsen?

S: What about you, Anto? You are born in Malta. And where did you grow up?

Anto Christ with Crochet piece

A: Aufgewachsen bin ich in Australien.

A: I have grown up in Australia.

S: Und wie bist Du nach Berlin gekommen?

S: And how you came to Berlin?

A: Ich war zunächst für eineinhalb Jahre hier, ging nach Australien zurück, kam aber dann wieder nach Berlin.

A: I was here for a year and a half, went back to Australia but then came back again to Berlin.

S: Warum Berlin?

S: Why Berlin?

A: Weil Berlin der freieste Ort im Universum ist! Man muss nicht sieben Tage die Woche arbeiten, um zu überleben. Man hat reichlich Zeit zu leben und die Freiheit zu leben ist mir sehr wichtig. In Australien musste ich viele Scheißjobs tun und das mache ich immer noch wegen des Geldes, aber nicht mehr so viele. Ich weiß genau warum ich hier bin. Die Menschen, die ich hier treffe, die Ideen die wir teilen, die Energien die wir austauschen, das ist sehr besonders. Ich fotografiere Menschen, die in großen, berühmten Bands spielen, oder unfassbar bekannte Künstler. Und sie kommen zu mir nach Hause, verstehst Du? Das ist eine Ehre.

A: Because Berlin is the most freest place in the universe! We don’t have to work seven days a week to survive. You have plenty time for life and freedom of life is very important to me. In Australia I had to do a lot of shitty jobs, and I am still doing shitty jobs for money, but I know why I am here. The people that I meet here and the ideas that we share and the energy that we exchange is really special. I do photograph people who are in hugh bands, the most amazing artists. They come to visit me, you know? It is just an honor.

S: Du bist also Malerin, Fotografin und kreierst eine Art Mode?

S: You are a painter, you are a photographer and you do a certain kind of fashion?

A: Ich mache Skulpturen. Ich schrieb ein Manifest zum Adornism – da geht es um Überdekoration, und ich singe. Ich habe immer darauf gewartet dass mal jemand kommt und mich fragt, ob ich Teil einer Band sein will, aber das ist nie passiert. Jedoch beim Karaoke bin ich die Beste!

A: I do sculptures, I did a manifesto about adornism – it is all about overdecoration, and I do singing too. I was always waiting for someone asking me to be in a band, it never happend, but in Karaoke I am the best!

 

 

S: Zum Ende kommend, habe ich noch eine Frage an Euch beide. Was ist Euer Traum für die Zukunft?

S: Comming to the end, I have one questions to both of you. What is your dream for the future?

W: Meine Zukunft ist das, was ich gerade mache, was ich zu machen liebe. Ich möchte weiter stylen, Sachen finden, die ich liebe, Menschen miteinander genießen und die Schönheit zeigen, das ist alles was ich will.

W: My future is just what I am doing now, just do what I love, continue dressing up, finding all the wonderful things that I love, enjoying people together, show the beauty, that’s all I want.

S: Und Du, Anto?

S: And you, Anto?

A: Ich möchte auch tun was ich tue, aber in einem größeren Rahmen. Ich würde wirklich gerne in größeren Galerien zu sehen sein. Weiterhin will ich gestalten und solange ich das Geld dafür habe, geht es mir gut.

A: I think as well do what I do, but on a biger scale. I would really like to be seen in bigger galeries. But I want to continue to create and as long as I have the money to do so, I am ok.

 

 

S: Es war mir eine Freude, mit Euch zu plaudern.

S: It’s been a pleasure to talk to you.

3 Kommentare zu „2 Australierinnen in Berlin.

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