Glory Soulfood

(Titelbild: Jan Sobottka)

Liebe Gloria, erzähle ein bisschen von Deinem Werdegang. Ich kenne Dich zwar, aber eigentlich weiß ich sehr wenig über Dich.

Dear Gloria, tell us a bit about your career. I know you, but actually I know very little about you.

Das verstehe ich. Also, ich bin gebürtige Südafrikanerin, geboren in Soweto und habe das Land 1979 verlassen, weil meine Mutter sich in einen deutschen Mann verliebt hatte. Im Alter von 11 Jahren bin ich nach Westberlin nachgekommen. Und seitdem lebe ich in Berlin, allerdings mit fünfjähriger Unterbrechung – diese Jahre verbrachte ich in einem Internat. In einem Klosterinternat in Niederbayern!

I understand that. Well, I am a native of South Africa, born in Soweto and left the country in 1979 because my mother fell in love with a German man. At the age of 11 I came to West Berlin. And since then I’ve lived in Berlin, albeit with a five-year break – I spent those years in a boarding school. In a boarding school in Lower Bavaria!

(Photo: Jan Sobottka)

Wie bist Du denn dort hingekommen?

How did you get there?

Meine Mutter ist schuld. Sie war eine spezielle Mutter, nahm mich immer zu Parties mitgenommen, hierhin und dahin, und ich konnte nie schlafen, es gab wirklich jeden Tag Party. Dann meinte mein Stiefvater, es müsse sich etwas ändern.

It’s my mother’s fault. She was a special mother, always took me to parties, here and there, and I could never sleep, there was really a party every day. Then my stepfather said something had to change.

Und warum ausgerechnet zu Nonnen?

And why to nuns of all places?

Sie hatten einfach ein Internat ausgesucht bzw. das günstigste gewählt. Mein Stiefvater war zu geizig.

They had simply chosen a boarding school or the cheapest one. My stepfather was too stingy.

War das eine schlimme Zeit für Dich?

Was that a bad time for you?

Ja, das war eine harte Zeit. Ich kam ja gerade aus Afrika, war sehr isoliert und kam dann in ein sehr strenges Mädcheninternat mit Klostermauern um mich herum. Man muss sich vorstellen, in Afrika waren wir immer alle zusammen und auf einmal war ich mutterseelenallein. Hinzu kam, dass ich aufgrund der Entfernung an den Wochenenden nicht nach Berlin fahren konnte. Es gab ja auch noch die ganzen Checkpoints und die Mauer. Am Anfang habe ich wirklich sehr gelitten. Ich dachte mir dann, entweder sterbe ich, oder ich überlebe das. Ich entschied mich für das Überleben und eines Tages geschah es, dass ich von einer Klassenkameradin eingeladen wurde. Die anderen Kinder durften alle nach Hause. Meine Lehrerin war auch sehr nett und nahm mich mit und so bekam ich einen Einblick in das Leben und die Familien von Niederbayern. Man war sehr freundlich zu mir, sah mich aber mit großen Augen an, jedoch keineswegs böse oder rassistisch. Sie kannten so etwas wie mich einfach nicht. Im Internat sagte man mir, man würde mich genauso behandeln wie alle anderen.

Yeah, that was a tough time. I just came from Africa, was very isolated and then went to a very strict boarding school for girls with monastery walls around me. You have to imagine, in Africa we were always together and suddenly I was all alone. In addition, because of the distance, I couldn’t go to Berlin on the weekends. There were also all the checkpoints and the wall at that time. In the beginning I really suffered a lot. I then thought to myself, either I will die or I will survive. I chose to survive and one day it happened that I was invited by a classmate. The other children were all allowed to go home. My teacher was also very nice and took me with her and so I got an insight into life and families in Lower Bavaria. They were very friendly to me, but looked at me with wide eyes, but by no means angry or racist. They just didn’t know anything like me. At boarding school I was told that I would be treated just like everyone else.

Zumindest nicht schlechter, das hätte ja auch passieren können.

At least not worse, that could have happened too.

Nein, die waren zwar konservativ, aber immer gerecht.

No, they were conservative, but always fair.

Was war, als Du nach Berlin zurückgekehrt warst?

What about when you returned to Berlin?

Zunächst einmal hatte ich die Schule abgebrochen, – die üblichen pubertären Probleme. Als ich nach Berlin zurückgekehrt war, holte ich meinen Abschuss an der Abendschule nach. Dann lernte ich meinen Freund kennen, einen Akademiker, ein Ethnologe und wir lebten mit sehr interessanten Leuten in einem besetzten Haus. Ich wohnte lange in Kreuzberg und das war eine wichtige Zeit für mich. Ich wollte immer Künstler kennenlernen, wir waren frei, kreativ und hatten eine tolle Zeit. Wir haben kaum gearbeitet und doch etwas kreiert.

First of all, I had dropped out of school – the usual adolescent problems. When I returned to Berlin, I caught up with my shooting at night school. Then I met my friend, an academic, an ethnologist, and we lived in a squat with very interesting people. I lived in Kreuzberg for a long time and that was an important time for me. I always wanted to get to know artists, we were free, creative and had a great time. We hardly worked and still created something.

Wie bist Du zum Kochen gekommen? Du bist ja eine Meisterin in Deinem Fach!

How did you get into cooking? You are a master in your field!

Nein, eine Meisterin bin ich nicht. Nach meinem Schulabschluss machte ich eine Ausbildung zur Schneiderin im Lette-Verein am Viktoria Luise Platz. Das war ehemals eine Schule für höhere Töchter und dort kann man alles Mögliche lernen, Hauswirtschaft, Grafik-Design, Mode, und dort entwarf ich meine erste Kollektion. Ich arbeitete in unterschiedlichen Jobs, habe beim Film assistiert und machte später elektronische Musik, Drum & Bass. In den 90 gern eröffneten wir einen Drum & Bass Laden in der Holzmannstraße und das ohne Lizenz, aber es war geduldet. Dann lernte ich meinen Ex Mann kennen, den Vater meines Sohnes. Ich war 21 Jahre alt, als mein Sohn zur Welt kam, und drei Jahre später eröffnete ich eine Boutique. Es war eine sehr schöne Boutique, aber leider war sie unterfinanziert. Ich konnte sie nicht lange halten, hatte mir aber einen Traum erfüllt.

No, I am not a master. After graduating from school, I trained as a tailor in the Lette Association at Viktoria Luise Platz. It used to be a school for senior daughters and there you can learn all kinds of things, housekeeping, graphic design, fashion, and that’s where I designed my first collection. I worked in various jobs, assisted with the film and later made electronic music, drum & bass. In the 90s we gladly opened a drum & bass shop on Holzmannstrasse and that without a license, but it was tolerated. Then I met my ex husband, my son’s father. I was 21 when my son was born and three years later I opened a boutique. It was a very nice boutique, but unfortunately it was underfunded. I couldn’t hold it for long, but I had fulfilled a dream.

Das ist doch die Hauptsache, sich Träume erfüllen zu können. Und der nächste Traum?

That is the main thing to be able to fulfill dreams. And the next dream?

Ich habe immer gerne Feste veranstaltet, liebte es, für meine Freunde zu kochen und die meinten, ich solle daraus eine Profession machen. So fing es an. Es gab einen Kessel Buntes – Catering, Streetfood, auch für Festivals, ich war auf einem guten Weg und dann kam Corona.

I have always enjoyed hosting parties, I loved to cook for my friends and they said I should turn it into a profession. That’s how it started. There was a kettle of color – catering, street food, also for festivals, I was on the right track and then Corona came.

Es wird wieder auf einen guten Weg kommen.

It will get back on track.

Ich habe Zweifel. Die Leute sind sehr gehemmt. Alle hängen voneinander ab und wenn da etwas in die Brüche geht, folgt eine Kettenreaktion. Wobei, Essen geht immer und ich biete ja auch Kochkurse an, Fusionsküche, in der ich die afrikanische Kochkunst mit europäischer Küche verbinde. Des Weiteren habe ich auch Seelennahrung zu bieten.

I have doubts. People are very inhibited. Everyone depends on one another and if something breaks down, a chain reaction ensues. Whereby, food is always possible and I also offer cooking courses, fusion cuisine, in which I combine African culinary art with European cuisine. I also have food for the soul to offer.

Das wäre dann meine nächste Frage geworden. GLORY SOULFOOD ist nicht nur leibliches Wohl.

That would have been my next question. GLORY SOULFOOD is not just about physical well-being.

Nein. In meiner afrikanischen Heimat war ich von Spiritualität umgeben, von Heilern und Heilerinnen und das spüre ich auch in mir. Doch auch diese Fähigkeit möchte ich auf eine professionelle Ebene bringen und mache derzeit noch eine Ausbildung zum Coach.

No. In my African homeland I was surrounded by spirituality, by healers and I can feel that in myself. But I would also like to bring this ability to a professional level and am currently training to become a coach.

Glory Soulfood im wahrsten Sinne des Wortes! Ich danke Dir für dieses sehr interessante Interview, liebe Gloria.

Glory soul food in the truest sense of the word! Thank you for this very interesting interview, dear Gloria.

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